SOS-Kinderdorf
Santiago de Los Caballeros, Dominikanische Republik
Eine Fallgeschichte
Isabel (Name wurde geändert) wurde vor ein paar Jahren im Kinderdorf aufgenommen. Damals war sie widerspenstig und renitent, handelte ihren Mitbewohnern gegenüber unangemessen und ungezogen und wollte nicht im Kinderdorf bleiben. Ihre Entwicklung war gefährdet, denn sie blockte jeden Kontakt ab. Wie konnte ihre besorgte SOS-Mutter ihr helfen, wie die SOS-Geschwister mit ihr zurechtkommen? Ein entscheidender Hinweis von Isabel selbst änderte die prekäre Situation.
„Mit 14 Jahren habe ich immer noch keine Geburtsurkunde, ich existiere doch gar nicht“, stammelte sie eines Tages mit leiser, verzweifelter Stimme. Isabel fühlte sich überflüssig, eine seelische Leere war der Grund für ihr Verhalten.
Isabel hatte den Wunsch, ihre seit sieben Jahren vermisste Mutter zu finden. SOS-Mitarbeiter halfen dem Mädchen dabei und fanden eine Frau in einer trostlosen Umgebung vor: Isabels Mutter lebt auf der Straße, ernährt sich vom Abfall anderer und schläft unter einer Brücke. Konnte man Isabel diese Gegenüberstellung zumuten?...
Doch sie bestand darauf. Zuerst erkannten sich Mutter und Tochter nicht wieder, doch es dauerte nur einen Moment und sie umarmten sich weinend. Stolz auf ihre Tochter bestärkte die Mutter Isabel eindringlich, im Kinderdorf zu bleiben, in die Schule zu gehen, um nicht wie sie zu enden, ohne Familie, von der Gesellschaft verstoßen und ohne Perspektive.
Isabels Mutter hatte die Geburtsurkunde sorgfältig aufgehoben. Auf schnellstem Wege ließen sie die SOS-Mitarbeiter legalisieren. Von nun an war Isabel wie verwandelt. Es war ihr klar geworden, dass ohne die Geduld, das Einfühlungsvermögen und die Hilfe ihrer SOS-Mutter, der Geschwister sowie aller Dorfmitarbeiter sie ihre Chance auf eine bessere Zukunft verspielt hätte.
Jetzt hat sich Isabel ein Ziel gesetzt: Die Schule abschließen und einen Beruf erlernen und ihren Geschwistern dabei helfen, dies auch zu schaffen. Doch eins liegt ihr ganz besonders am Herzen: Mit einer beruflichen Ausbildung selbständig zu werden und ihre leibliche Mutter finanziell zu unterstützen und sie aus dem Elend zu befreien.

